Dr. Jürg Wichtermann, Präsident des Stiftungsrats Editorial

Zukunft – Gegenwart – Herkunft: Dieser Dreiklang begleitet ein historisches Museum eigentlich ständig. Aber wohl noch kaum je war er für das Bernische Historische Museum so laut und deutlich zu vernehmen und zu erleben wie gerade jetzt.

Zukunft – Gegenwart – Herkunft

Zukunft: Das Projekt für die Gesamterneuerung des Museums wird immer konkreter, sowohl planerisch als auch bezüglich seiner Finanzierung. Nach über 130 Jahren wird das Museumsgebäude erstmals umfassend saniert und für die Zukunft fit gemacht. Ein überzeugendes Projekt liegt vor – positive Finanzierungszusagen vorausgesetzt, geht es nun und in den nächsten Jahren darum, dieses gut und budgetgerecht umzusetzen.

Gegenwart: Das Bernische Historische Museum verzeichnet auch für das vergangene Jahr rekordhohe Besucherzahlen und setzt damit den Trend der letzten Jahre fort – genährt durch attraktive Ausstellungen und spannende Anlässe im und ums Haus herum.

Herkunft: 3500 Jahre alt ist die Bronze-Hand aus dem Berner Jura, die den Kern der erfolgreichen Bronze-Ausstellung 2024 und 2025 bildete. In der Ausstellung wurde die Bronze-Hand aber nicht nur als Relikt aus der Vergangenheit gezeigt, sondern als Objekt mit aktuellem Bezug, das uns vermitteln kann, wie die Gegenwart entstanden ist.

An der Zukunft bauen

An der Zukunft des Bernischen Historischen Museums wortwörtlich «bauen» zu können, ist eine Gelegenheit, die sich selten bietet – ein Jahrhundertprojekt, gewissermassen. Umso grösser ist die Verantwortung, jetzt die richtigen Entscheide zu fällen – denn jetzt wird vorgezeichnet, in welcher Infrastruktur sich das Museum in den nächsten Jahrzehnten bewegen wird. Den vielen Menschen, die mit Leidenschaft und Fachverstand an diesem spannenden Projekt arbeiten, gehört grösste Anerkennung. Dass mit der Gesamterneuerung auch ein wichtiger Beitrag zur Gestaltung des Museumsquartiers Bern und damit zur Attraktivierung der ganzen «Museums-Halbinsel» mit all ihren Institutionen geleistet wird, macht das Vorhaben noch spannender. Das Bernische Historische Museum ist dankbar für die grossartige Unterstützung, die es in dieser ausserordentlichen Zeit von seiner Trägerschaft (Kanton, Stadt und Burgergemeinde Bern) erfahren darf.

Die Zukunft des Museums beginnt allerdings nicht erst dereinst mit der Inbetriebnahme des gesamterneuerten Hauses, sondern schon viel früher: Im Frühling 2026 wird das  «Moneyverse»  im Herzen von Bern seine Türen öffnen – eine Initiative der Schweizerischen Nationalbank in Zusammenarbeit mit dem Bernischen Historischen Museum. In den Aufbau und die Gestaltung dieser neuen Lern- und Erlebniswelt zum Thema Geld haben die Mitarbeitenden auch 2025 nochmals viel Energie, Knowhow und Herzblut investiert.

Die Gegenwart verstehen

Im Rückblick auf das vergangene Jahr zeigen sich – neben vielen anderen tollen Aktivitäten – drei Schwerpunkte, die für den Auftrag und das Verständnis des Museums bezeichnend sind. Die bereits erwähnte Bronze-Ausstellung, die Ausstellung «Vom Glück vergessen» und jene über «Widerstände. Vom Umgang mit Rassismus in Bern» haben alle Themen aufgegriffen, die für den Kanton Bern in der älteren oder jüngeren Vergangenheit von Bedeutung waren – und in der einen oder anderen Art nach wie vor sind. Das Museum will ein Ort sein, der Bezüge schafft, der Verständnis weckt, der Zusammenhänge zwischen Gestern und Heute erlebbar macht, der vermittelt, bereichert und überrascht – und der dabei auch Diskussionen anstösst. Solche Auseinandersetzungen können herausfordernd sein, aber sie sind notwendig, um das Museum weiterzuentwickeln, und auch, um sich zu referenzieren, um Möglichkeiten auszuloten und Grenzen zu erkennen. So betrachtet kann das Museum auf ein reichhaltiges und erfolgreiches Jahr zurückblicken.

Die Herkunft reflektieren

Und der Ausblick auf das kommende Jahr verspricht nicht weniger Vielfalt: Die Vorbereitungen für die Gesamterneuerung gehen unvermindert weiter. Währenddessen ist das Museum weiterhin ein offenes Haus, das mit viel Neuem und Spannendem dazu einlädt, Vergangenes (vielleicht neu oder anders) zu entdecken und Überkommenes zu reflektieren.

Kommen Sie vorbei! Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen im Bernischen Historischen Museum.

Dr. Jürg Wichtermann, Präsident des Stiftungsrats