Veranstaltungsreihe Ein Abend im Museum – Gegen das Vergessen

30.04.2025 bis 21.05.2025

Erfahrungs- und Fachexpert:innen widmeten sich in Form von einer «Living Library» und drei Podiumsdiskussionen ausgewählten Themen rund um fürsorgerisch begründete Zwangsmassnahmen.

© BHM, Stefan Wermuth, Bern

Die Themen der Veranstaltungsreihe zur Ausstellung «Vom Glück vergessen. Fürsorgerische Zwangsmassnahmen in Bern und der Schweiz» stiessen beim Publikum auf grosses Interesse. Mit insgesamt 337 Gästen waren alle vier Abende mit durchschnittlich rund 85 Gästen ausverkauft. Die Podiumsgespräche wurden von der Moderatorin und Fernsehjournalistin Kathrin Winzenried moderiert.

Am Abend der Veranstaltungen konnte die Ausstellung bis um 20.30 Uhr besucht werden, ab 17.30 Uhr war die Museumsbar offen.

Erzählen gegen das Vergessen: Betroffene berichten

Im Rahmen einer «Living Library» erzählten Betroffene ihre Geschichte und Erfahrungen. In kleinen Gesprächsrunden konnten die Besuchenden mit den folgenden Personen ins Gespräch kommen:

  • MarieLies Birchler
  • Patricia Büttiker
  • Mario Delfino
  • Kurt Gäggeler
  • Michael Gottet
  • Christian Studer
  • Christian Tschannen
  • Uschi Waser
Michael Gottet berichtet von seinem Leben als ehemaliges Heim- und Pflegekind. © BHM, Maja Brücker

Unrecht und Aufarbeitung: Der historische Kontext erklärt

Beleuchtet wurden die historischen Hintergründe der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und der lange Weg der Aufarbeitung. Mit einem Blick auf die Gegenwart wurde gefragt: Welche Muster wirken bis heute fort? Welche Forderungen der Betroffenen sind immer noch unerfüllt? Und was sagt das über unser heutiges Verständnis von staatlicher Fürsorge und Gerechtigkeit aus?

Podiumsgäste

  • Paola De Martin, Tochter, Nichte und Enkelin einer Saisonnier-Familie
  • Urs Germann, Historiker
  • Loretta Seglias, Historikerin
Gespräch über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. © BHM, Alice Sommer

Zwischen Fürsorge und Zwang: Wann wird staatliche Hilfe zur Bevormundung?

Diskussionsthema war der schmale Grat zwischen Schutz und Übergriff. Wann dürfen Behörden ins Privatleben eingreifen, wann überschreiten sie Grenzen? Welche Rechte haben Betroffene und wo besteht dringender Handlungsbedarf?

Expert:innen aus der Forschung, der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und dem Verein Careleaver diskutierten über die aktuelle Fürsorgepraxis in der Schweiz, die Herausforderungen und mögliche Reformen.

Podiumsgäste

  • Charlotte Christener, Präsidentin KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bern)
  • Desiree Righetti, Erfahrungsexpertin und Leiterin Careleaver Netzwerk Region Bern
  • Margot Vogel Campanello, Leiterin Studiengang Soziale Arbeit an der Berner Fachhochschule
Gespräch über die heutige Fürsorgepraxis in der Schweiz. © BHM, Maja Brücker

Wer darf Kinder kriegen? Wenn der Staat in die Familienplanung eingreift

Das Podiumsgespräch fand in Kooperation mit dem ALPS Alpines Museum der Schweiz vor dem Hintergrund der Ausstellung «Grönland. Alles wird anders» statt. Unter anderem waren im kolonisierten Grönland Frauen Verhütungsmittel ohne deren Wissen eingesetzt worden, viele Frauen wurden gezwungen, ihre Kinder zur Adoption nach Dänemark zu geben oder man nahm sie ihnen weg. Auch in der Schweiz wurden tausende Frauen zwangssterilisiert. Anderen wurden die Kinder direkt nach der Geburt weggenommen und im Sinn einer Zwangsadoption freigegeben.

Das Podiumsgespräch begann mit einem Audiobeitrag: einem Erfahrungsbericht von Caroline Montandon.

Podiumsgäste

  • Melinda Nadj Abonji, Journalistin, Schriftstellerin, Musikerin
  • Thomas Huonker, Politiker, Historiker
  • Nicole Graaf, Journalistin

Das Gespräch kann als Podcast nachgehört werden.

Gespräch über eugenisches Denken als Hintergrund der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. © BHM, Alice Sommer

Wir danken

Wir bedanken uns herzlich beim Bundesamt für Justiz für die grosszügige Unterstützung des Ausstellungsprojekts.