Sonntagsführung zu einer Leihgabe Gedenktafel von Wattenwyl
26.10.2025
Adlige Andacht und feine Pinselstriche: Die Gedenktafel der Familie von Wattenwyl erscheint in neuem Glanz. Die Leihgabe aus Privatbesitz wurde im Sommer 2025 erstmals öffentlich ausgestellt – im passenden historischen Kontext, beim Berner Skulpturenfund.
Im Rahmen einer öffentlichen Führung präsentierten eine der Restauratorinnen des Werks und die zuständige wissenschaftliche Assistentin des Museums die restaurierte Gedenktafel der Familie von Wattenwyl. Sie erläuterten, wie die Tafel, entstanden um 1515, Anliegen, Selbstverständnis und religiöse Praxis einer Berner Patrizierfamilie bündelt: Andacht, Ordnung und Repräsentation treten in der geordneten Darstellung der Heiligen und Familienmitglieder klar hervor. Im Hintergrund verweisen die dargestellten Besitzorte auf den gesellschaftlichen Rang der Familie und verbinden Frömmigkeit, Erinnerung und Status in einem einzigen Bild.
Besonders eindrücklich ist die Wirkung der Reinigung: Farben, die zuvor zurückgetreten waren, entfalten wieder Tiefe; feine Konturen und Strukturen treten klarer hervor; Übermalungen aus späteren Jahrhunderten lassen sich präziser fassen. Dahinter steht das Abwägen der Restaurierungsarbeit im Einzelfall, ob der Lesbarkeit der Malereien, der Stabilität der Malschicht oder dem Entfernen von Übermalungen der Vorrang gegeben werden muss.
Für die Führungsteilnehmenden bot der Dialog zwischen Kunstgeschichte und restauratorischer Praxis neue Perspektiven. Und im Zusammenspiel mit den Fragmenten des Berner Skulpturenfunds entfalten sich weitere neue Bezüge: Die Tafel hebt sich mit ihrer leuchtenden Farbigkeit gegen die Spuren des späteren Bildersturms ab.