Sammlungen Wissen um Geschichte
Kurator:innen kennen die Sammlungsbereiche, für die sie verantwortlich sind. Dieses Wissen über die Geschichte einzelner Objekte, deren Wirkung und Bedeutung im Zusammenspiel mit der gesamten Sammlung bilden die Grundlage für weiteres Sammeln, für Ausstellungen, Vermittlungsformate und Forschungsprojekte.
Dieses Jahr stand Geld als jahrtausendealtes universales Tauschgut immer wieder im Fokus der Sammlungsarbeit. Für die Vorbereitung der Ausstellung zum Phänomen Geld im Moneyverse – dem neuen «Geldmuseum» der Schweizerischen Nationalbank in der Berner Altstadt, das vom Bernischen Historischen Museum konzipiert und ab April 2026 betrieben wird – war das Wissen aus allen Bereichen der Sammlung gefragt. Dabei brauchte es ein gutes Gespür und die Erfahrung der Kuratierenden, damit Objekte als Geschichtsquellen verständlich präsentiert werden können.
Hier setzte auch die im Sommer 2025 realisierte neue Kontextualisierung der «Orientalischen Sammlung Henri Moser» an. Neu werden die Geschichte der Sammlung und deren Präsentation im 1922 eigens dafür gebauten Saal erläutert sowie aufgezeigt, wie beides vom europäischen «Orientalismus» der Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) geprägt gewesen war.
Geschichte als stetes Zurückblicken und Vorausdeuten
Dass Wissen stets im Fluss ist, wird auch in weiteren Projekten deutlich: So setzte die Ausstellung «Grönland in Sicht! Perspektiven auf ein koloniales Erbe» nicht nur Impulse, sondern regte Diskussionen an und förderte neue Perspektiven, die auf die Arbeit an der Sammlung zurückwirkten. Wissen um Kulturerbe zirkuliert nicht nur ständig zwischen der Forschung, den Ausstellungen und der Sammlung des Bernischen Historischen Museums, sondern wird dadurch auch angereichert. Diesen Austausch zu dokumentieren und zu vermitteln ist ein wichtiger Teil des Prozesses.
Nicht nur Wissen ist in steter Bewegung, auch die gesellschaftlichen Themen und Fragen ändern sich immer wieder. Für die Sammeltätigkeit, vor allem von Objekten der jüngsten Geschichte, ist eine Vorausschau auf künftige Entwicklungen notwendig. Gerade dies ist die Herausforderung. Als vom Museum die Beziehungen zu verschiedenen Personen und zur UEFA für spätere mögliche Gaben in die Sammlung geknüpft wurden, war der bahnbrechende Erfolg der Women‘s EURO 2025 lediglich zu vermuten. Ob und wie diese sportliche Grossveranstaltung in Bern in die Geschichte eingeht, wird sich mit mehr Abstand zeigen müssen. Kuratorische Aufgabe an der Sammlung ist es künftig, die Schenkungen, zum Beispiel den Matchball aus dem Spiel Island-Schweiz, in Beziehung zu setzen mit Forschungsfragen und Wissen, mit Aussagen und Geschichten, damit das Objekt in seinem Wert für die Sammlung des Museums erkannt und relevant bleibt.
Matchball der UEFA Women's Euro 2025
Am 6. Juli 2025 gewann die Schweiz an den Frauenfussball-Europameisterschaften gegen Island 2:0. Der Sieg im Wankdorfstadion löste in der Schweizer Bevölkerung eine Welle der Euphorie aus. Nach dem Turnier schenkte die UEFA dem Museum den Matchball des symbolträchtigen Spiels.
Das «Wunder von Bern» an der WM 1954 und die niederländischen Fans auf der Kornhausbrücke während der Euro 2008 sind legendär. 2025 war Bern wieder im Fussballfieber: Sieben Spiele der Frauenfussball-Europameisterschaften fanden in Bern und Thun statt. Zudem logierten die Nationalteams der Schweiz, Islands und der Niederlande am Thunersee.
In Bern feierten die Schweizerinnen an der Euro ihren einzigen Sieg und qualifizierten sich anschliessend für den Viertelfinal. Der Erfolg hatte auch gesellschaftliche Folgen: Wurden Fussballerinnen in der Schweiz früher oft belächelt, gewann der Frauenfussball durch die Euro deutlich an Bedeutung und Prestige.
Erschliessung des Museumsarchivs
Die Archivbestände des Museums sind elektronisch erfasst und in archivtaugliche Materialien verpackt.
2024 wurde die Erschliessung aller Archivbestände des Bernischen Historischen Museums in Angriff genommen und in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen. Mit Hilfe einer externen Fachperson wurde das gesamte Archiv in der Datenbank elektronisch erschlossen. Die Archivalien wurden neu verpackt und beschriftet.
Das umfangreiche Archivmaterial birgt unter anderem das Wissen um die Sammlungen, die Ausstellungen und die Museumsgeschichte. Durch dessen vollständige elektronische Erschliessung wird die Arbeit im Museumsalltag erleichtert, das Auffinden von Informationen und Quellen wird für die Mitarbeitenden einfacher. Das Projekt bezweckte jedoch nicht nur die interne Forschung: In einem nächsten Schritt werden, nebst dem bereits zugänglichen ethnografischen Archiv, sämtliche Sammlungsarchive mit Hilfe eines Findmittels auf der Website des Museums durchsuchbar gemacht.
Burgundische Werke aus Bern temporär in Limburg
Die Ausstellung «Bourgondiërs in Limburg» in Venlo (NL) zeigte unter zahlreichen hochkarätigen internationalen Leihgaben auch drei Werke aus Bern.
Die Stickerei, der Wappenteppich und das Fragment einer Kornettfahne mit dem persönlichen Leitspruch von Karl dem Kühnen gehören zu den Gegenständen, die die Eidgenossen 1476 bei Grandson vom burgundischen Herzog erobert hatten. Für eine Wechselausstellung im Winter 2025/26 kehrten sie in die burgundischen Niederlande zurück, in die Region Limburg. Dieses Herzogtum war 1430 an die burgundischen Herzöge gefallen. Die Ausstellung in Venlo ging der Frage nach, welchen Einfluss die burgundische Herrschaft auf die Entwicklung einer limburgischen Identität gehabt hatte.
Forschungsarbeit
Meistens dauert es lange, bis sich neue Forschungsergebnisse im Allgemeinwissen oder gar in Schulbüchern wiederfinden. Dank einer hervorragenden Kooperation zwischen dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern und dem Museum ist das bei der kommenden Wechselausstellung «Murten, ausgeschlachtet. Ein Sieg wird in Szene gesetzt» anders. Neueste Erkenntnisse aus dem vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Forschungsprojekt «The Inheritance of Looting: Medieval Trophies to Modern Museums» flossen direkt in die Ausstellungskonzeption ein. Wie sich Kriegsbeute zu kulturellem Erbe wandelte und wie Kriegstrophäen in der Frühen Neuzeit präsentiert wurden, wird dort anschaulich sichtbar gemacht. Mit Blick auf die historische Sammlung standen in der kuratorischen Forschungsarbeit ebenfalls Objekte mit Bezug auf die Schlacht von Murten im Vordergrund.
Dank der Unterstützung von Memoriav konnte das Projekt «Konzept Langzeitarchivierung der audiovisuellen Objekt- und Archivbestände am Bernischen Historischen Museum» abgeschlossen werden. Mit dem Konzept für die langfristige Sicherung und Erhaltung von audiovisuellem Kulturgut und von digitalen Medien wurde die dazu benötigte Infrastruktur aufgebaut. Damit steht die Grundlage für Langzeitarchivierung am Museum zur Verfügung. Als Pilotbestand wurden die audiovisuellen Objekte aus der Sammlung digitalisiert und während des Projekts langzeitarchiviert. Das BHM stellt Memoriav die im Projekt entwickelte Vorlage des Pflichtenhefts für dessen weitere Arbeit zur Verfügung (mehr dazu unter: Sammlungspflege zwischen Ausstellungen und Ausleihen, Digitalisierung des analogen audiovisuellen Bestands).
Am Tag der Provenienzforschung am 9. April 2025 beteiligte sich das Museum über drei Kurzvideos. Die Forschungsarbeit zur Herkunftsgeschichte von Sammlungsobjekten und den Situationen, in denen sie erworben wurden, zeigte sich darin in ganz unterschiedlichen Aspekten.