Konservierung-Restaurierung Sammlungspflege zwischen Ausstellungen und Ausleihen
2025 leisteten die Mitarbeitenden der Konservierung-Restaurierung umfangreiche Arbeiten für den Auf- und Abbau von verschiedenen Ausstellungen und für das Leihwesen. Trotzdem konnten mit gezielten Massnahmen die Sammlung gepflegt und neue Standards eingeführt werden.
Workshop Objektverpackung
Das Museum verfügt über eine Sammlung an silbernen Mieder- und Göllerhaften. Dabei handelt es sich um Schmuckteile, die bei traditionellen Trachten am Mieder (Oberteil) oder am Göller (Achselstück) getragen werden. Knapp 500 solcher Trachtenschmucke lagern neu in Archivschachteln. Ein darin eingebautes «Silbertuch» absorbiert allfällige Schadgase und reduziert damit das Anlaufen des Silbers.
Die neue Lagerung ist das Resultat eines Workshops mit Studierenden der Konservierung-Restaurierung an der Hochschule der Künste Bern. Während zwei Tagen übten die Studierenden praxisnah die Handhabung und das Verpacken von filigranen Sammlungsobjekten. Sie stellten eigenständig Verpackungen her, die sowohl für den sicheren Transport als auch für die Langzeitarchivierung geeignet sind. Mit den Schmuckteilen konnte ein weiterer Bestand aus ungünstigen Verhältnissen im Altbau in die fachgerechten Depots im Erweiterungsbau Kubus umgesiedelt werden.
Digitalisierung des analogen audiovisuellen Bestands
Film-, Video- oder Audiobänder sowie Audiokassetten werden als analoge, audio oder audiovisuelle Datenträger bezeichnet. Sie bestehen jeweils aus zwei Teilen: zum einen aus einem physischen Informationsträger und zum anderen aus den darauf gespeicherten Informationen. Letztere können oft nur mit speziell dafür konzipierten Abspielgeräten wahrnehmbar gemacht werden.
Für die Erhaltung solcher Datenträger ist es zentral, zu entscheiden, ob beide Teile kulturhistorisch relevant und damit erhaltenswert sind. Der Entscheid muss zudem rasch gefällt werden. Insbesondere bei Videobändern können durch die alterungsbedingte Materialdegradation innert kurzer Zeit die gespeicherten Informationen verloren gehen. Gleichzeitig schwindet weltweit die Zahl an funktionstüchtigen Abspielgeräten, mit denen die Bänder wiedergegeben oder digitalisiert werden können.
Das Museum hat sich in den letzten zwei Jahren der Herausforderung angenommen, sämtliche Medienträger identifiziert und deren Erhaltungswert beurteilt. Auf der Grundlage eines 2024 erarbeiteten Konzepts für die digitale Langzeitarchivierung konnten 2025 die ersten analogen Datenträger in der Kinemathek Lichtspiel in Bern digitalisiert werden. Anschliessend wurden sie auf den Servern des Museums archiviert.
Einbau Archäo-Metallschubladen
Während Jahrzehnten lagerten die archäologischen Bestände in rund 1200 hölzernen Schubladen mit Fingerzinken-Verbindungen im Altbau. Nach dem Umzug ins neue Depot im Erweiterungsbau Kubus 2009 zeigte sich, dass die alten Schubladen langfristig ungeeignet waren: Sie beanspruchten zu viel Platz und konnten ohne Führungsschienen leicht herausfallen. In aufwendiger, mehrjähriger Arbeit wurden sie daher Schritt für Schritt durch stabile Metallschubladen ersetzt.
Mit der Verdichtung mussten auch zahlreiche Standorte neu organisiert und veraltete Lagerungsmaterialien ausgetauscht werden – inklusive der vollständigen, oft beiliegenden Dokumentationsunterlagen. Nach langer Umbauzeit wurde das Projekt im Dezember 2025 abgeschlossen. Als letzte Folgearbeiten werden einzelne Objektgruppen noch besser umgelagert respektive verpackt.
Vor der grossen Reise
Über das ganze Jahr hinweg beschäftigte eine der aufwendigsten Ausleihen der letzten Jahre den Fachbereich Konservierung-Restaurierung. Ab Frühjahr 2026 sollen insgesamt 48 keltische Objekte bei Harvard Art Museums, Cambridge (USA), präsentiert werden. Darunter bedeutende Eisenfunde, deren Zustand für Transport und Ausstellung zu fragil waren. Eine Eisenfibel und eine Lanzenspitze wiesen aktive Korrosion auf, weshalb sie entsalzt und anschliessend bis auf die originale Oberfläche freigelegt werden mussten. Eine vorgängige Röntgenuntersuchung unterstützte die Beurteilung des Erhaltungszustands und den Entscheid, das dazugehörende Eisenschwert mit fest verbundener Scheide nicht zu bearbeiten. Das Risiko eines Schadens aufgrund der vielen Altrestaurierungen wäre zu hoch gewesen. Die konservatorischen Arbeiten übernahm das Sammlungszentrum des Schweizerischen Nationalmuseums.
Umlagerung von Human Remains
Die Praxis im Umgang mit Human Remains bei der Lagerung hatte Handlungsbedarf: Offene Lagerung, fehlende Kennzeichnung und uneinheitliche Dokumentation erschwerten einen respektvollen Umgang und die Nachvollziehbarkeit der Bestände. 2025 wurde daher ein konservatorischer Leitfaden für die Arbeit mit Human Remains erarbeitet. Der Leitfaden stärkt einen einheitlichen und würdevollen Umgang und berücksichtigt die unterschiedlichen Arbeitsweisen von Archäologie, Geschichte und Ethnologie. Er definiert, was als Human Remains gilt, regelt Schutzmassnahmen, Zugang und konservatorische Entscheidungen und legt verbindliche Standards für Lagerung, Kennzeichnung und Dokumentation fest. Der Leitfaden dient der Arbeit der Konservator:innen-Restaurator:innen und unterstützt die enge Zusammenarbeit mit den Kurator:innen der Sammlungen. Parallel zum Ausarbeiten des Leitfadens wurden die Bestände schrittweise in geeignete, abgeschirmte Verpackungen überführt, die Transparenz, Sicherheit und Sensibilität dauerhaft gewährleisten.
Aufwendige Montage einer Cäsartapisserie
Die Präsentation von Objekten ist oft Teil konservatorischer Massnahmen. Bei einem Textil von knapp 33 Quadratmetern kann dies leicht den Umfang eines Projekts annehmen. Das Bernische Historische Museum verfügt über langjährige Erfahrung in der Konservierung und der Montage von Tapisserien. Die Methoden der Montage und die Präsentationsform haben sich in den letzten Jahren leicht verändert, immer mit dem Ziel, die Belastung für das Objekt weiter zu verringern.
Rund 14 Jahre nach der Montage von zwei Tapissieren in der Dauerstellung wurde für die Anfang 2026 kommende Ausstellung «Murten, ausgeschlachtet. Ein Sieg wird in Szene gesetzt» erstmals wieder eine Tapisserie, die dritte Cäsartapisserie, montiert.
Tapisserien werden mit einem Klettband auf einer schrägen Platte fixiert. Im Gegensatz zu früher wurde das Band jedoch nicht mehr direkt auf der Tapisserie aufgenäht, sondern oberhalb von deren Oberkante auf einem separaten Futterstreifen. Auch wurde ein grösserer Neigungswinkel der Platte gewählt und so der Kompromiss von guter Sichtbarkeit stärker zu konservatorischen Vorgaben verschoben. Ebenso wurde für die Ausstellung erstmals eine Tapisserie nicht direkt auf der schräg stehenden Platte, sondern flach liegend montiert. Erst danach wurde die Platte mit Hilfe von Seilwinden in Position gezogen.
Wir danken
Wir bedanken uns herzlich für die Unterstützung und Ausfinanzierung des 2010 initiierten und 2012 begonnenen Konservierungsprojekts der vier Cäsartapisserien, das Ende 2027 abgeschossen wird.
- Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern
- Bundesamt für Kultur
- Burgerliche Ersparniskasse Bern
- Gesellschaft zu Mittellöwen Bern
- Gesellschaft zu Ober-Gerwern Bern
- Kultur Stadt Bern
- Kulturstiftung der Burgergemeinde Bern
- Lantal Foundation for Cultural and Sustainable Education
- Stiftung Pro Scientia et Arte
- TISCA Tischhauser Stiftung
- UBS Kulturstiftung
- Werner Abegg-Fonds (Vermittlung durch Abegg-Stiftung)
- Zürcherische Seidenindustrie Gesellschaft